Was gibt es in der Probezeit zu beachten?

Die Probezeit – gegenseitiges Beobachten.

Sie haben das Bewerbungsgespräch erfolgreich hinter sich gebracht, den Vertrag unterschrieben und somit den Schritt durch die Tür getan. Sehr gut, doch erinnern Sie sich an Ihren ersten Schultag? Als Sie diesen Schritt ins Klassenzimmer gehen mussten um einen Platz zu finden? Wie vor jeder Veränderung im Leben ist auch hier Nervosität ganz normal, und Sie wollen schließlich Ihren Platz im Unternehmen finden, oder?

Die Probezeit ist wie die meisten wissen, aber nicht bedenken, ein gegenseitiges Beobachten. Ihrem Arbeitgeber geht es im Grunde nicht anders als Ihnen. Er kennt Sie auch nicht und weiß nur was Sie in der Bewerbung oder dem Gespräch erwähnt haben. Sie sollten sich in der Probezeit darüber klar werden ob Sie in dieses Unternehmen passen und dort länger arbeiten wollen, oder vielleicht doch weiter nach der richtigen Stelle suchen sollten – aus welchen Gründen auch immer.

Gerade weil die erste Zeit des Beschäftigungsverhältnisses eine Phase des Kennenlernens ist sind die Kündigungsfristen hier kürzer als im festen Beschäftigungsverhältnis. Hier sind die Kündigungsfristen in der Regel vom “Monatsende” bis hin zum “darauffolgenden Arbeitstag” kündbar.

Um Ihnen den Einstieg in Ihre neue Arbeitstelle etwas zu erleichtern haben wir einige Tipps für Sie. Diese werden Ihnen die ersten Wochen im neuen Unternehmen erleichtern.

Der erste Tag

Auch hier ist gute Vorbereitung das A und O. Nehmen Sie nochmals Ihre recherchierten Unterlagen zum Unternehmen und Ihrem Arbeitsplatz zur Hand und gehen diese durch. Jetzt lohnt es sich auch mit der Presseabteilung des Unternehmens Kontakt aufzunehmen. Rufen Sie dort an und sagen Ihrem Kollegen welche Informationen Sie aus dem Pressearchiv benötigen. Hier finden sich nicht nur Imagebroschüren, Presse- und Messemappen, sondern auch die Pressemitteilungen des Unternehmens der letzten Jahre zu den verschiedenen Unternehmensbereichen.

Hat Ihr Arbeitgeber kein solches Archiv, so erkundigen Sie sich in der Marketingabteilung nach Informationen die der Verkaufsförderung dienen. Falls Ihr Arbeitsgebiet spezieller Ausrichtung ist sollten Sie sich bereits vor Antritt des Jobs mit der “Materie” beschäftigen.

Kleider machen eben doch Leute!

Ihr Outfit – Ihr Image. Durch Ihr Auftreten machen Sie bereits Aussagen bevor Sie den Mund geöffnet haben. Am ersten Auftreten oder Eindruck, ganz wie man möchte, versuchen sich Menschen ein Bild vom Gegenüber zu machen. Je nach Ihrer Position und der Größe des Unternehmens sollten Sie Ihre Kleidung einerseits anpassen. Bleiben Sie sich dabei immer selbst treu und geben Ihrem Outfit dadurch Ihre persönliche Note.

Machen Sie sich also vor dem ersten Besuch beim neuen Arbeitgeber etwas mehr Gedanken über Ihr Outfit. In manchen Unternehmen gibt es Kleiderregeln, in anderen wird die Arbeitskleidung gestellt. Sollten Sie in einem dieser gelandet sein so wurde Ihnen das bestimmt bereits gesagt.
Vielleicht ist ein Gang zum Friseur angebracht? Ein gepflegtes Erscheinungsbild macht immer einen guten Eindruck.

Achten Sie darauf, dass Sie nicht «overdressed» sind – gerade wenn das Unternehmen von Jeansfetischisten beherrscht wird. Sollten Sie zu legére gekleidet sein, so kann das ebenso negative Auswirkungen haben.

Passen Sie sich ein wenig an, aber verlieren Sie nicht Ihre Individualität.

Connections für den Erfolg

Teamfähigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil vieler Jobs, also seien Sie offen für das Neue und fordern Ihre soziale Ader im Umgang mit Menschen etwas mehr.

Gehen Ihre Kollegen Mittagspause machen, so gehen Sie mit. Jetzt können Sie Ihre neuen Kollegen mal fernab vom Arbeitsplatz erleben und besser kennen lernen. So lernen Sie nicht nur die Strukturen und Hierarchien innerhalb des Unternehmens kennen, sondern auch zahlreiche Mitarbeiter, die vielleicht nicht genau in Ihrer Abteilung arbeiten. Außerdem bekommen Ihre neuen Kollegen vielleicht einen schlechten Eindruck von Ihnen wenn sie gleich zu Beginn das Gefühl vermittelt bekommen, Sie wollten sich abgrenzen. Gehen Sie nicht mit in die Pausen wie alle anderen, wird dieses Verhalten oft als arrogant verstanden und ausgelegt.

Trotten Sie Ihren Kollegen auf keinen Fall hinterher, versuchen Sie an den Gesprächen teilzunehmen. Fragen sind durchaus erlaubt, doch sollten sich diese in Grenzen halten, schließlich wollen Sie ja niemandem auf die Nerven gehen, oder? Es ist wichtig gleich in den sozialen Kontakt mit Ihren Kollegen zu treten, da Sie sonst zahlreiche Informationen erst bedeutend später erreichen. Einen Tratsch auf dem Flur zu halten oder zu den Pausen zu gehen, ist also keinesfalls vertane Zeit. Es ist ein fester Bestandteil der Einarbeitungsphase. Das Kennenlernen der Kollegen und des Unternehmens selbst ist gerade zu Beginn des Arbeitsverhältnisses wichtig, damit Sie sich noch innerhalb der Probezeit darüber klar werden können, ob dies wirklich der Job ist den Sie suchen oder ob Ihre Pilgerfahrt durch den Arbeitsmarkt weitergeht.

Lauschen und Lernen

Wie in jedem Betrieb gibt es in auch an Ihrem Arbeitsplatz unausgesprochene Regeln und andere interne Normen die man beachten muss. Sie werden immer wieder Gespräche mitbekommen in welchen man sich z.B. über Kollegen beschwert oder gar lästert. Mischen Sie sich auf keinen Fall in dieses Gespräch ein, Sie könnten in ein sehr unangenehmes Fettnäpfchen treten. Lauschen Sie eher und erhalten Sie so einen Einblick in interne Angelegenheiten. Lernen Sie auf diese Weise Ihre Kollegen ein bisschen besser einzuschätzen.

Merken Sie sich in der ersten Zeit im Unternehmen besonders gut was Ihnen gesagt wird, denn hier verstecken sich weitere Normen zum Tagesablauf am Arbeitsplatz. Zudem können Sie andere nützliche Infos rund um Ihren Job in Erfahrung bringen, also fragen Sie, denn am Anfang dürfen Sie es noch. Vergessen Sie aber nicht nachzudenken bevor Sie reden und überlegen sich die Formulierung Ihrer Frage gut.

Freundlich – aber bestimmt

Die Position im Team in einer Abteilung zu finden ist für Neulinge im Unternehmen in der Regel besonders schwer. Einige Kollegen versuchen beispielsweise die persönlichen Grenzen des Neulings auszureizen. Anzeichen für eine solche Tendenz sind das Abwälzen ungeliebter Aufgaben oder das Untergraben der Autorität des neuen Kollegen.

Setzen Sie vom ersten Tag an fest, wie strapazierfähig Ihr Geduldsfaden ist. Stecken sie gleich zu Beginn die Grenzen klar ab. Verwechseln Sie aber vor allem nicht Verbindlichkeit im Umgang mit Ihren Kollegen mit Nachgiebigkeit. Seien Sie freundlich – aber bestimmt.

Konfrontationen mit Kollegen dieser Art sind fast unumgänglich, da Sie es auf genau diese abgesehen haben. Sogar wenn Ihr Gegenüber die Fassung verliert, sollten Sie cool bleiben. Stecken Sie Ihr Revier ab und zeigen Ihrem Diskussionspartner wo die Grenze ist. Bleiben Sie dabei jedoch immer freundlich. Entschlossenes Auftreten wird in der Regel als Standhaftigkeit gewertet.

Hilfsbereitschaft den Kollegen gegenüber ist ein anderes Kapitel. Dass Sie aufpassen sollen, nicht ausgenutzt oder veräppelt zu werden bedarf keiner weiteren Diskussion. Das heißt aber nicht, dass Sie Ihren Kollegen nicht mit kleinen Gefälligkeiten zur Hand gehen sollen. Ganz im Gegenteil – Hilfsbereitschaft ist eine wichtige Eigenschaft, diese muss allerdings auf Gegenseitigkeit beruhen.

Kommunikation ist alles

Was bereits in den ersten Monaten schief geht, lässt sich später nur schwer gerade rücken – das ist eine Tatsache.

Um Fehler aller Art früh zu vermeiden, so dass diese nicht Routine werden, ist es wichtig das Gespräch mit dem Chef zu suchen. Klären Sie hier offen Fragen Ihrerseits und holen sich ein Feedback auf die Qualität ihrer Arbeit. Dies ist auch eine gute Gelegenheit Ihrem Chef zu zeigen in welche Projekte Sie involviert sind, überlegen Sie sich hierfür zwei bis drei Fragen. Auch diese Fragen sollten Sie sorgfältig wählen, sonst fragen Sie womöglich noch etwas das Sie selbst wissen sollten. Geben Sie eine eigene Einschätzung ab und vergewissern Sie sich, dass Sie damit richtig liegen.

Gehen Sie motiviert an die Arbeit! Ergreifen Sie selbst die Initiative und warten Sie nicht, bis man Ihnen etwas überträgt falls es keine neuen Aufgabenstellungen oder Projekte geben sollte.

Finden Sie heraus welche Erwartungen Ihr Chef an Sie stellt . Er soll es so genau wie möglich erklären und dabei klare Aussagen machen.

Ist der Chef dauerbeschäftigt und hat keine Zeit für solche 5-Minuten-Meetings? Nicht verzagen, auch hier wissen wir Ihnen zu helfen. Drehen Sie den Spieß doch einfach um! Anstatt dass Sie darauf warten bis Ihr Chef Ihnen etwas zeigt bzw. erklärt, machen Sie eine “Meldung” bei Ihm. Schreiben Sie ein Email oder eine Hausmitteilung und geben Sie einen Überblick über den aktuellen Stand der Dinge. Zeigen Sie womit Sie arbeiten und bauen Sie auch hier ein Frage ein.

Informationen sammeln

Da Sie als Neuling natürlich die Arbeitswege und Hintergrundinformationen bezüglich der Projekte an welchen Sie mitarbeiten nicht kennen, ist es ganz natürlich, dass Ihnen die Einarbeitungsphase schwierig vorkommt. Sollten Ihnen Informationen fehlen oder Unsicherheiten auftauchen, dann ist Nachfragen noch die bessere Alternative als einen Fehler zu begehen. Recherchieren Sie das Problem und betrachten es aus verschiedenen Blickwinkeln. Zeigen Sie, dass Sie eigenständig Versuche starten um die Antworten zu finden.

Wenn Sie trotz aller Bemühungen Ihren Wissensdurst nicht stillen konnten und es noch einige Lücken zu füllen gibt, sollten Sie unbedingt darauf achten, Ihre Probleme oder Wissenslücken so konkret wie möglich zu schildern. Formulieren Sie eine Frage die man konkret beantworten kann, ein “ich komme nicht weiter…”, macht es Ihren Kollegen nicht leicht, Ihnen zu helfen.

Zuverlässigkeit – Prio 1

Eines der wichtigsten Dinge die der Arbeitgeber vom Angestellten sehen will, ist Zuverlässigkeit. Diese Tugend ist ungeheuer wichtig um schneller in verantwortungsvollere und somit karrieredienlichere Aufgaben miteinbezogen zu werden. Gerade in der Probezeit ist dies vom Arbeitnehmer gefordert.

Zu Beginn wird Neulingen noch viel verziehen – Unzuverlässigkeit gehört aber ganz sicher nicht dazu.

Wenn bereits in der Anfangsphase des Arbeitsverhältnisses Aufgaben nicht erfüllt oder Termine nicht eingehalten werden macht man nicht nur schlecht von sich Reden sondern schadet seinem Image nachhaltig. Fehler dieser Art wieder auszubügeln ist sehr schwer.

Seien Sie von Anfang an zuverlässig! Zu Beginn vielleicht sogar etwas mehr, als Sie es sonst sind. Wenn Sie Termine nicht einhalten können, so besprechen Sie dies rechtzeitig mit Ihren Kollegen und Chefs und begründen Sie den benötigten Aufschub.

Termine einhalten

Um nicht dauernd in Termindruck zu geraten und einen geregelteren Arbeitstag ohne unvorhergesehene Meetings oder Seminare zu haben, gibt es einige einfache Dinge, die man beachten sollte:

  • Planen Sie Ihre Arbeitszeit. Rechnen Sie dabei mindestens 20 bis 30 Prozent zusätzlich für Unvorhergesehenes.
  • Setzen Sie Prioritäten, eine Liste kann Ihnen hierbei helfen.
  • Pflegen Sie Ihren Kalender und sie haben alle Termine im Blick.
  • Bewahren Sie den Überblick. Dazu gehört unter anderem ein aufgeräumter Schreibtisch und ein sinnvolles Ablagesystem.

 

Absichern durch Protokolle

Um bei Infogesprächen oder Meetings Missverständnissen vorzubeugen, sollten Sie sich angewöhnen, Protokolle zu führen. Schreiben Sie alles wichtige mit, um immer auf dem laufenden zu sein und vor allem Ihre Arbeitsgebiete zu erfahren.

Die wichtigsten Punkte eines Protokolls sind Datum, Gesprächspartner, Vereinbarungen und Absprachen, Zuständigkeiten (wer macht was?) und natürlich Infos und Details zu den besprochenen Themen. Manche Unternehmen haben eigene Schreiber für Besprechungen die im nachhinein ein Protokoll verschicken, doch stehen dort nicht die für Ihre Tätigkeiten wichtigen Einzelheiten zu den Projekten. Ein weiterer Vorteil: Der Chef sieht das Engagement Ihrerseits. Wahrscheinlich wird nicht jeder Ihrer Kollegen mitschreiben, und 30% von denen die mitschreiben malen Karikaturen oder zeichnen die Umrisse der Quadrate auf einem karrierten Notizblock nach.

Tun Sie es ihnen nicht gleich, denn Mitschreiben ist wichtig! Passen Sie sich der internen Kommunikationsart des Hauses an, indem Sie gebräuchliche Abkürzungen verwenden und sich zunächst an bestimmte Abläufe halten.

Stehen Sie zu Ihren Fehlern

Sie als Neuling sind besonders gefährdet, Fehler zu machen. Sollten Sie trotz all unserer Ratschläge einen Fehler begangen haben, so bleiben Sie ruhig. In der Einarbeitungsphase kann das schon mal passieren. Aus Fehlern sollte man dennoch lernen. Überlegen Sie sich, wo der Ursprung des Problems lag und versuchen Sie, dieses zu lösen.

Betrachten Sie auch hier das Problem aus verschiedenen Winkeln um die bestmögliche Lösung zu erarbeiten. Stehen Sie zu den Fehlern, denn früher oder später stellt sich heraus wer die Schuld trägt. Außerdem zeigen Sie dadurch Rückgrat und Ehrlichkeit, zwei weitere wichtige Tugenden eines Arbeitnehmers. Versuchen Sie auf keinen Fall, anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Das kann böse ins Auge gehen.

Zeigen Sie, dass Sie sich Gedanken über den begangenen Fehler machen. Bringen Sie nach Ihrem “Geständnis” Vorschläge zur Schadensbegrenzung an, um den Schaden so gering wie möglich zu halten.

Maßnahmen die helfen, den gleichen Fehler kein zweites Mal zu begehen und den Projektverlauf zu optimieren kommen immer gut an und bringen vielleicht ein paar Bonuspunkte.

Wie erwähnt sollten Sie jeden Fehler nur einmal machen. Also konzentrieren Sie sich und treten Sie nicht mehrmals in das gleiche Fettnäpfchen.

Das Ende der Probezeit

Besonders gegen Ende der Probezeit stellen sich für den Arbeitgeber mehrere wichtige Fragen, doch die zwei wichtigsten sind wohl:

  • Entspricht Ihre erbrachte Leistung den gestellten Ansprüchen?
  • Passen Sie als Person in das Team und in das Unternehmen?

Nun gilt es für beide Seiten ein Resúme zu ziehen und sich alles noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Stellen Sie sich beispielsweise Fragen wie:

  • Entspricht das Arbeitsgebiet Ihren Vorstellungen?
  • Sind die Kollegen und Vorgesetzten in Ordnung?
  • Wollen Sie dort langfristig arbeiten?
  • Ist die Bezahlung gerecht?

So werden Sie sich bewusst, ob nach der Probezeit ein längerer oder gar unbefristeter Arbeitsvertrag ansteht, oder ob Sie ein weiteres Mal am Arbeitsmarkt-Karussell drehen wollen.

Die Probezeit kann auf mehrere Arten enden, in den meisten Unternehmen geht die Probezeit bei Stillschweigen in ein festes Arbeitsverhältnis über. Andere Unternehmen führen am Ende der Probezeit noch ein Gespräch. Hier wird oft neu über das Gehalt verhandelt und dieses den Leistungen angepasst, bevor ein festes Arbeitsverhältnis entsteht. Je nach Leistung gewinnt oder verliert Ihr Gehaltsscheck an Wert. Dies ist die Gelegenheit für beide Seiten letzte Unklarheiten zu klären.

Je nachdem, welcher der vielen Arten an Vorgesetzten Ihr neuer Chef angehört, kann Sie im Abschlussgespräch ein Kaffeekränzchen oder ein Hurricane erwarten. Normalerweise verlaufen diese Gespräche jedoch gepflegt und höflich ab, also keine Angst, da sitzt auch nur ein Mensch hinter dem großen Schreibtisch…

…der genauso angefangen hat wie Sie!


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