Hat mein ChatGPT einen Virus?
Hat mein ChatGPT einen Virus?
“ChatGPT, wo kann ich mich für einen Nebenjob bewerben?” ist eine Frage an den Chatbot von OpenAI, die seit dem Siegeszug dieser KI immer häufiger von Suchenden gestellt wird. Wir haben schon im Artikel “KI bei der Suche” darauf hingewiesen, dass die Trainingsmodelle und deren Antworten ohne “aktuellen online-Bezug” eher fragwürdige Ergebnisse liefern.
Eine Metastudie (Quelle Garousi, Preprint, April 2025) wertete über 30 Einzelstudien aus und zeigt,
die Fehlerquote hängt stark vom Anwendungsbereich ab.
- Gesundheit: je nach Fragestellung und Datenlage zwischen 8 % und 83 %
- Ingenieurwissenschaften: je nach Fragestellung und Datenlage ca. 20–30 %
- Wirtschaft/Finanzen: Verbesserung gegenüber GPT-3.5, aber immer noch 15–20 % Fehler
- Programmierung: Hohe Genauigkeit bei Standard-Code (ca. 87 %), aber über 50 % Fehler beim Debugging
Auch die BBC untersuchte im Februar 2025 zehn führende KI-Modelle – darunter ChatGPT, Copilot und Gemini zu politischen, gesellschaftlichen und medizinischen Themen. In über der Hälfte der Fälle enthielten die Antworten offensichtliche sachliche Fehler da nur eine Quelle genutzt wurde, klare Verzerrungen oder unbelegte Meinungen. (Quelle BBC Investigation, Feb. 2025)
Man kann die KI aber korrigieren, ihr eine neue eigene Wahrheit erzählen.. und sie glaubt es in 66% aller Fälle, selbst wenn die Korrektur offensichtlich falsch ist (Beispiel: Das Pizzastück-Debakel).
“Du hast recht, ich habe das übersehen”
Diese Antwort kennt fast jeder ChatGPT Nutzer. Hat die KI wirklich etwas “übersehen”? Hab erstaunlicherweise tatsächlich ich eher “recht” als die künstliche Intelligenz?
Ich bin natürlich geschmeichelt, ich habe der KI was beigebracht, habe sie korrigiert und eines Besseren belehrt. Aber was bringt es, wenn niemand außer mir das weiß? Der Chatbot wird diese Erkenntnis leider nicht speichern. Und die richtige Antwort wird er auch keinem anderen Nutzer zur Verfügung stellen. Die KI kann nicht daraus lernen, außer man trainiert/schult sie explizit. Leider ist heutzutage die Quelle nicht mehr fundiert genug, wenn jeder Influencer eine eigene Wahrheit in seinem Nachrichten Channel postet. Wenn die Schüler nicht den Lehrer hinterfragen, wenn nicht mehrere Quellen verglichen werden, dann fehlt die Verifizierung der Wahrheit.
Für die Chatbots gelten die gleichen Erfolgsregeln wie für die Bildzeitung: Aufmerksamkeit erzeugen (Schlagzeile), der weiterführende Klick ist dann nicht mehr so wichtig. Denn nur wer “angefixt” ist, kauft oder “klickt”.
“Danke für Deinen Hinweis, Sie haben recht “
Danke ChatGPT, aber eigentlich wäre ich dann bei Google oder einer anderen Suchmaschine doch besser mit meiner Suchanfrage beraten gewesen? Die Antwort wird vermutlich nicht “Sie haben recht” sein, da auch die Google Seite 1 mit so viel Werbung überfrachtet ist, dass man nicht mehr auf das besten Ergebnis, sondern auf den größten Geldbeutel trifft.
Die Tendenz, dass man sich nicht mehr auf die Empfehlungen von KI und Suchmaschinen verlassen kann, häuft sich. Es ist vermutlich so wie es immer ist, zuerst funktioniert es gut. Dann möchte man als Plattform Betreiber noch mehr Geld verdienen, also werden die Werbekunden akquiriert und über die eigentlichen “echten” Ergebnisse gelistet. Gier schlägt Wahrheit? Wahrscheinlich.
Hierzu ein paar Schlagzeilen:
Die Nebenjobs von Donald Trump
ja, einen, Präsident USA.
Putin jobbte als Taxifahrer (Quelle Channel-One-Film)
Fazit:
KI-Modelle sind keine verlässlichen Expertensysteme. Ihre Leistung ist Nutzerabhängig, nicht sachlich kontextbezogen, schwer vorhersehbar und wird regelmäßig überschätzt. Es unterstreicht, dass künstliche Intelligenzen trotz der plausibel klingenden und in sich logisch erscheinenden Antworten weder allwissend noch verlässliche Faktenlieferanten sind.
