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Vom Minijobber zum Multijobber: Anzahl verdoppelt sich 2018

Seit 2003 hat sich die Zahl der Multijobber verdoppelt. Waren 2003 1,5 Millionen Menschen in einer “Doppelbeschäftigung” beschäftigt, so hat sich die Zahl bis 2018 verdoppelt. In ganz Deutschland sind 2018 bereits 3 Millionen Menschen in einen Nebenjob zusätzlich zu ihrem Hauptberuf beschäftigt. Das gilt vor allem für Ballungsräume und städtische Bereiche – die Landesregierungen und Gewerkschaften sind alarmiert und warnen vor dem Trend zum “Multijobbing”.

Trend zum Multijobber?
Ob es ein “Trend” ist oder eine logische Schlussfolgerung der urbanen Entwicklung bleibt natürlich eine große Frage. Während Gewerkschaften und Politik die Arbeitsmodelle und den Arbeitsmarkt allgemein als Problem ausgemacht haben, kritisieren andere Wissenschaftler den verschlafene Entwicklung der Politik und Gewerkschaften selbst.
Nicht der Minijob ist das Problem, sondern die Problematik, dass Menschen in zukunftsträchtigen Ballungsräumen mit hohen Wohnkosten konfrontiert werden, die nicht im Einklang mit der Ausbildung, der Familie oder dem Studium stehen.
Auch muss man unterscheiden, ob es sich um einen “nicht sozialversicherungspflichtigen” Minijob neben einem Hautberuf handelt, oder um Arbeitnehmer in mehreren Minijobs.

“Studenten, die in einer WG wohnen oder in einem 15qm Apartment, zahlen z.B. in München schon 20-30€ pro qm – und Universitäts-Städte ziehen nach.”

Viele Experten des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erklären, dass die Nebenjobber in ihrer Hauptbeschäftigung im Schnitt 570 Euro weniger im Monat verdienen als Personen mit nur einem Job – das sich das gegenseitig bedingt, dürfte klar sein. Warum also ist das Einkommen des Hauptberufs so niedrig?

Weniger verdienen, bei gleicher Arbeit?
Ja, es gibt einen Trend. Ob das Beispiel von Media Broadcast (Pro7, Sat1, etc.) Schule macht? Kürzlich kündigte der Sendenetzbetreiber an, dass er eine Leerlaufzeit im Unternehmen von 20% ausgemacht hat und darum die Wochenarbeitszeit dauerhaft entsprechend um 20% kürzen möchte. Alternativ dazu könnte man sich auch vorstellen einfach 20% der Arbeitnehmer zu kündigen. Heißt also: gleiches Arbeitsvolumen, 20% weniger Arbeitszeit – das rentiert sich doch für den Arbeitgeber.

Problem Minijob?
Da erscheinen Diskussionen über die Sinnhaftigkeit eines Minijobs schon fast skurril. Natürlich ist ein Arbeitsmodell wie die “kurzfristige” oder “geringfügige” Beschäftigung keine Lösung für den Arbeitsmarkt. Dafür war sie aber auch nie gedacht. Dass eine Minijobanstellung viele in Betracht ziehen, ist anderen Umständen geschuldet.

1.) Minijob, Teilzeit oder Rechnung. Ein Nebenverdienst ist nur in einem Minijob sinnvoll (für alle anderen dauerhaften Nebentätigkeiten braucht man sonst ja einen Gewerbeschein). Ein Teilzeitjob geht bereits zeitlich über einen “Nebenjob” hinaus. Es gibt also faktisch keine andere Möglichkeit als einen Minijob.

2.) Der Minijob ist für Studenten, Saisongeschäfte und zur Überbrückung anderer Arbeitsmarktmaßnahmen gedacht, nicht um einen Hauptberuf finanziell zu unterfüttern.

Der Minijob war nie dafür gedacht, neben einem Hauptjob ausgeübt zu werden. Das geht zwar, ist aber neben einer 40 Stunden Vollzeit Woche problematisch. Ein Minijob neben einem Teilzeitjob ist eher üblich. Am häufigsten aber sind es die Studenten und ältere (50+) Menschen, die in einem Minijob arbeiten.

Warum gibt es mehr Multijobber als früher?
Nebenjobs, die nur aus Interesse an der Aufgabe ausgeübt werden oder um Geld für besondere Ausgaben zu haben, sind nicht Teil des Problems. Wenn aber wie bei Media Broadcast 20% des Vollzeitlohns im Hauptberuf gekürzt wird, dann reicht es manchen Arbeitnehmern nicht mehr zum Leben. Tarifverträge garantierten faire Bezahlung, aber es gibt Schlupflöcher überall dort, wo die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens gefährdet sein könnte.
Die Zunahme von 20% an mehrfach Beschäftigten kann aber alleine daher nicht kommen. Eher ist das Modell des Minijobs beliebter – oder besser gesagt – bekannter geworden. Daher arbeiten auch immer mehr Menschen im Minijob und Gleitzonenbereich.

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